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Regulierung

Daten-Piraterie im Sport: LSports wehrt sich gegen Vorwürfe aus dem britischen Oberhaus

27. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Daten-Piraterie im Sport: LSports wehrt sich gegen Vorwürfe aus dem britischen Oberhaus

Im Streit um die Nutzung von Sportdaten weist LSports Vorwürfe von Lord Foster zurück. Der Kläger fordert Geldstrafen bis zu 50.000 Pfund für unlizenzierte Datennutzung.

Der Markt für Sportdaten ist ein milliardenschweres Geschäft, bei dem jede Millisekunde zählt. Dass dabei die Grenzen zwischen legaler Berichterstattung, technologischem Scraping und Urheberrechtsverletzungen verschwimmen, zeigt der aktuelle Schlagabtausch zwischen dem israelischen Datenanbieter LSports und britischen Gesetzgebern. In einer hitzigen Debatte im House of Lords sah sich LSports schweren Anschuldigungen ausgesetzt, die das Unternehmen nun in aller Deutlichkeit zurückweist. Lord Don Foster of Bath, ehemals Abgeordneter der Liberaldemokraten, versuchte im Rahmen des Sporting Events Bill eine Gesetzesänderung durchzubringen, die den unlizenzierten Zugang zu Sportdaten kriminalisiert hätte.

Die Vorwürfe wiegen schwer, denn sie unterstellen Anbietern wie LSports, wertvolle Informationen von britischen Sportteams und Wettbewerben ohne entsprechende Vergütung abzugreifen. LSports reagierte darauf mit der Feststellung, dass man sich strikt an die Gesetze des Staates Israel halte und geistiges Eigentum respektiere. Der Konflikt illustriert das tiefe Misstrauen zwischen etablierten Rechteinhabern, die Exklusivverträge für Milliardenbeträge verkaufen, und technologisch orientierten Anbietern, die alternative Wege zur Datenerfassung nutzen. Für die Glücksspielbranche steht viel auf dem Spiel, da die Kosten für offizielle Datenfeeds massiv steigen.

Zahlen und Fakten

LSports ist kein kleiner Fisch in der Branche. Das Unternehmen beliefert laut eigenen Angaben Wettanbieter mit Daten zu über 100 Sportarten aus weltweit 15.000 Ligen. Zu den Kunden zählen namhafte Größen wie Betano, Betsson und Betfred. Seit dem Jahr 2024 agiert die Firma zudem als offizieller Datenvertreter und Technologiepartner für den internationalen Tennisverband ITF. Der wirtschaftliche Druck wird durch den Vorschlag von Lord Foster deutlich, der für Verstöße eine Geldstrafe von bis zu 50.000 Pfund vorsah, was jedoch vorerst durch die Glücksspielministerin Baroness Twycross gestoppt wurde.

Ein wesentlicher Punkt in der Auseinandersetzung ist ein Gerichtsverfahren in Israel vom Februar. Dort verklagte der Konkurrent Sportradar LSports mit dem Vorwurf, Daten kopiert zu haben. Sportradar behauptet, gezielt falsche Testdaten in seine Feeds eingespeist zu haben, die dann bei LSports aufgetaucht seien. LSports bestritt dies vehement und wies darauf hin, dass Sportradar wiederum selbst in den USA Gegenstand von Sammelklagen durch Aktionäre sei. In Israel gilt zudem das Copyright Act, welches festlegt, dass Urheberrechte nicht für Fakten oder Rohdaten gelten. Dies bildet die zentrale Verteidigungslinie von LSports.

„LSports generiert seine Daten auf verschiedene Weise, darunter durch ein eigenes Scouting-Netzwerk, TV-basierte Erfassung und eine eigene Computer-Vision-Technologie. Wir weisen die Charakterisierung unserer Arbeit als Piraterie zurück.“ - Sprecher von LSports, Stellungnahme zu den Vorwürfen im britischen Parlament

Hintergrund

Der Streit dreht sich im Kern um die Frage, wem Sportinformationen gehören. Während Ergebnisse wie Tore oder rote Karten als offenkundige Fakten gelten, versuchen Firmen wie Genius Sports oder Sportradar durch Datenbankrechte einen Schutzwall um diese Informationen zu ziehen. In der EU und in Großbritannien gibt es zwar Datenbankrechte, diese greifen aber nur dann, wenn eine signifikante Investition in die Beschaffung, Überprüfung oder Präsentation der Daten nachgewiesen werden kann. LSports argumentiert hingegen, dass ein wettbewerbsorientierter Markt für Datenanbieter am Ende den Ligen mehr Einnahmen bringt, als wenn man den gesamten Zugriff in die Hände eines einzigen Monopolisten legt.

Ein weiterer Vorwurf von Lord Foster lautete, LSports würde durch die Zusammenarbeit mit bestimmten Anbietern illegales Glücksspiel fördern. Hier zog die Firma eine klare Trennlinie. Als reiner B2B-Dienstleister liefere man Daten an Betreiber, betreibe aber selbst kein Glücksspiel für Endverbraucher. Die Lizensierung der Wettoberflächen in den jeweiligen Märkten liege in der alleinigen Verantwortung der Anbieter und deren nationaler Regulierungsbehörden.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Deutsche Spieler kommen mit derlei juristischen Kämpfen meist nur indirekt in Berührung, spüren die Folgen aber bei der Qualität der Live-Wetten und den Quoten. Im Rahmen des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021) sind in Deutschland nur Anbieter erlaubt, die auf der Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Diese Anbieter müssen unter anderem das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Slots und das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro beachten, welches über das LUGAS-System überwacht wird.

Wenn Datenanbieter wie LSports unter Druck geraten oder ihre Feeds verteuert werden müssen, wirkt sich das oft auf die Auszahlungsquoten für deutsche Kunden aus. Da deutsche lizenzierte Anbieter bereits hohe Steuern und Abgaben leisten, sind sie auf kosteneffiziente, aber präzise Daten angewiesen. Sollten exklusive Datenmonopole die Preise diktieren, könnten die Quoten bei GGL-anlizenzierten Buchmachern sinken, was Spieler theoretisch in den unregulierten Schwarzmarkt treiben könnte. Transparente Datenmärkte sind daher ein wichtiger Baustein für einen funktionierenden legalen Markt in Deutschland.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Online-Casinos und Buchmacher mit GGL-Lizenz bedeutet die Debatte um Daten-Piraterie vor allem ein Risiko für die Rechtssicherheit. Werden Daten genutzt, die gerichtlich als illegal eingestuft werden, könnten Anbieter Probleme mit ihrer Zuverlässigkeit bekommen, die eine Grundvoraussetzung für die deutsche Erlaubnis ist. Deutsche Anbieter müssen sicherstellen, dass ihre Zuliefererketten sauber sind. Da LSports jedoch auch mit großen Namen wie Betfred zusammenarbeitet, die international hoch angesehen sind, zeigt dies, dass die Vorwürfe von Lord Foster derzeit eher politischer Natur sind als eine unmittelbare rechtliche Bedrohung für deutsche Lizenznehmer darzustellen. Die GGL beobachtet solche Entwicklungen im Ausland genau, um sicherzustellen, dass keine illegalen Geldflüsse den deutschen Markt unterwandern.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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