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Glücksspiel-Razzia in Singapur: Neun Festnahmen rund um GemBet-Netzwerk

27. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Glücksspiel-Razzia in Singapur: Neun Festnahmen rund um GemBet-Netzwerk

Die Polizei in Singapur zerschlägt einen illegalen Glücksspielring mit Verbindungen nach Curaçao und friert über 39.000 SGD an kriminellen Geldern ein.

Die Behörden in Singapur greifen hart gegen illegale Strukturen im Online-Glücksspiel durch und haben im Rahmen einer gezielten Operation neun Personen festgenommen. Den Verdächtigen wird vorgeworfen, Teil eines Übersee-Syndikats zu sein, das insbesondere Nutzer während der FIFA Weltmeisterschaft ins Visier nahm. Im Zentrum der Ermittlungen steht der Betreiber GemBet, der über eine Lizenz aus Curaçao verfügt, in Singapur jedoch ohne Genehmigung agiert. Die Razzien fanden zwischen dem 22. und 24. Juli an mehreren Standorten im Stadtstaat statt und zeigen die Entschlossenheit der Ermittler, die Verflechtungen zwischen technologischen Plattformen und klassischer Finanzkriminalität zu lösen.

Das Vorgehen der Täter war dabei besonders raffiniert und nutzte die legale Infrastruktur des Landes aus. Sechs der festgenommenen Personen sollen ihre nationalen Identitätsdaten, die sogenannten SingPass-Zugangsdaten, missbraucht haben, um offizielle Geschäftseinheiten und Firmenbankkonten zu registrieren. Diese Konstrukte dienten dazu, Transaktionen zwischen Spielern und dem illegalen Anbieter GemBet zu verschleiern und abzuwickeln. Drei weitere Beteiligte fungierten als Kuriere, die das Syndikat bei der Erlangung dieser Bankkonten unterstützten. Dieser Fall verdeutlicht, wie internationale Glücksspielanbieter ohne lokale Lizenz versuchen, regulatorische Hürden durch den Einsatz von Strohmännern zu umgehen.

Zahlen und Fakten

Die Ermittlungsergebnisse der Polizei sind beachtlich. Insgesamt wurden neun Personen im Alter zwischen 17 und 55 Jahren verhaftet, darunter sieben Männer und zwei Frauen. Die Behörden identifizierten neun Firmenbankkonten, die direkt mit sechs verschiedenen Scheinfirmen verknüpft waren. Dabei ist es gelungen, mehr als 39.000 SGD an mutmaßlichen kriminellen Erlösen einzufrieren. Die potenziellen Strafen für die Beteiligten sind empfindlich. Je nach Schwere der Tat drohen Bußgelder von bis zu 10.000 SGD und Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren. Schon im Vorfeld und während der Weltmeisterschaft war die Polizei aktiv und nahm 60 Personen fest, während gleichzeitig über 600 illegale Webseiten, mobile Apps und Werbeinhalte in sozialen Medien gesperrt wurden.

Hintergrund

In Singapur ist die Rechtslage eindeutig. Mit Ausnahme von Singapore Pools sind alle Formen des Glücksspiels illegal. Dennoch drängen Anbieter wie GemBet, die eigentlich Malaysia und Singapur als Zielmärkte definieren, massiv in den Markt. Dieser Vorfall ist kein Einzelfall, sondern fügt sich in ein größeres Bild ein, das jüngst auch von den Vereinten Nationen (UN) gezeichnet wurde. In einem aktuellen Bericht beschreibt die UN den Online-Glücksspielsektor in Südostasien als Netzwerk in Milliardenhöhe, das eine erhebliche Bedrohung für die Bekämpfung von Finanzkriminalität darstellt. Das Verbot in Kombination mit mangelnder Durchsetzung habe dazu geführt, dass sich das Glücksspiel zunehmend mit transnationaler organisierter Kriminalität verbindet.

Besonders kritisch sieht die UN die Rolle der sozialen Medien. Dort würden ausgeklügelte Strategien eingesetzt, um die Hemmschwelle zur Teilnahme zu senken. Dazu gehört unter anderem die gezielte Anwerbung von Influencern, um illegale Plattformen bei einem jungen Publikum zu normalisieren.

„Die systematische Rekrutierung von Social-Media-Influencern, insbesondere von jungen Frauen mit großer Fangemeinde, scheint zu einer Kernstrategie geworden zu sein, um die Teilnahme am Glücksspiel bei jugendlichem Publikum zu normalisieren." - Vertreter der Vereinten Nationen, Bericht über grenzüberschreitende Kriminalität in Südostasien

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler ist dieser Fall aus Singapur eine deutliche Warnung vor Anbietern, die lediglich über Lizenzen aus der Karibik wie Curaçao verfügen. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) den Markt extrem streng. Wer bei einem Anbieter spielt, der nicht auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) steht, begibt sich in ein ähnliches rechtliches Graufeld wie die Nutzer in Singapur. Deutsche Spieler profitieren bei legalen Anbietern von massiven Schutzmaßnahmen, die bei Offshore-Casinos wie GemBet völlig fehlen. Dazu gehören das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über alle Anbieter hinweg und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten.

Zudem sorgt das IT-System LUGAS für die Überwachung dieser Limits und den Ausschluss gesperrter Spieler über die Sperrdatei OASIS. Wer bei Curaçao-Casinos spielt, hat keinerlei Rechtssicherheit bei der Auszahlung von Gewinnen. Im Falle eines Betrugs oder einer Kontosperrung gibt es keine deutsche Behörde, die hilft. Der Fall in Singapur zeigt zudem, dass auch die Zahlungswege bei illegalen Anbietern oft über kriminelle Netzwerke und Geldwäschestrukturen laufen. Deutsche Nutzer sollten daher zwingend darauf achten, dass das Casino ihrer Wahl ein Impressum in der EU besitzt und explizit von der GGL lizenziert ist, um nicht ungewollt kriminelle Strukturen zu unterstützen.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für die in Deutschland lizenzierten Betreiber ist der Schlag gegen die illegalen Netzwerke in Asien ein wichtiges Signal. Es verdeutlicht, dass der Kampf gegen den Schwarzmarkt eine globale Herausforderung ist. Die GGL betont immer wieder, dass der Kanalisierungsauftrag nur gelingen kann, wenn illegale Anbieter konsequent blockiert werden. Das Beispiel Singapur mit über 600 abgeschalteten Webseiten zeigt, welche Dimensionen das sogenannte Blacklisting annehmen muss. Für GGL-Casinos bedeutet die Existenz solcher Syndikate einen unfairen Wettbewerbsdruck, da Offshore-Anbieter keine Steuern zahlen und sich nicht an Spielerschutzregeln halten müssen. Die strengen deutschen Regeln wie die 5,3 Prozent Einsatzsteuer pro Spin können nur Bestand haben, wenn der Schwarzmarkt effektiv bekämpft wird, um die Spieler in den legalen, sicheren Raum zu führen.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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