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Regulierung

Glücksspielverband Bacta wehrt sich gegen Steuerpläne für Spielhallen in England

27. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Glücksspielverband Bacta wehrt sich gegen Steuerpläne für Spielhallen in England

Der britische Branchenverband Bacta kritisiert Pläne von Premierminister Andy Burnham, Spielhallen zur Finanzierung von Steuerentlastungen für Pubs heranzuziehen. Eine drohende Verdopplung der Maschinensteuer steht im Raum.

In der britischen Politik braut sich ein Sturm zusammen, der die Existenzgrundlage vieler traditioneller Spielhallen erschüttern könnte. Premierminister Andy Burnham verfolgt einen ehrgeizigen Plan namens „Burnham means business“, der das kulturelle Leben in England durch massive Steuererleichterungen für Pubs, Clubs und Musikstätten stützen soll. Doch die Finanzierung dieser Wohltaten soll nach dem Willen einiger politischer Akteure zu Lasten einer Branche gehen, die ohnehin schon mit hohem regulatorischem Druck kämpft: den sogenannten Adult Gaming Centres (AGCs).

Der Branchenverband Bacta hat nun unmissverständlich klargestellt, dass er jeden Versuch ablehnen wird, die geplanten Entlastungen durch neue Belastungen für die Spielhallenbranche zu decken. Der Streit zeigt einmal mehr das tiefe Misstrauen einiger Politiker gegenüber dem stationären Glücksspielsektor. Während Pubs und Musikclubs als schützenswertes Kulturgut gelten, ordnete Burnham die Spielhallen in öffentlichen Äußerungen als sozial schädlich ein, ähnlich wie E-Zigaretten-Shops. Diese stigmatisierende Einordnung dient nun als moralisches Vehikel für eine fiskalische Umverteilung, die ab April 2027 greifen könnte.

Zahlen und Fakten

Die wirtschaftliche Belastung der stationären Spielhallen in Großbritannien ist bereits jetzt enorm hoch. Neben der regulären Gewerbesteuer und der nicht abzugsfähigen Mehrwertsteuer zahlen die Betreiber vor allem die Machine Games Duty (MGD). Ein besonders brisanter Vorschlag der Social Market Foundation sieht sogar vor, diese Steuer für Geräte der Kategorie B von aktuell 20 Prozent auf satte 40 Prozent zu verdoppeln. Dies wäre ein massiver Einschnitt in die Marge der Betreiber. Zudem steht die Einführung einer verpflichtenden gesetzlichen Glücksspielabgabe (Statutory Levy) bevor. In den Konsultationspapieren der Regierung ist für landbasierte Spielhallen ein Satz von 0,2 Prozent des Bruttospielertrags (Gross Gambling Yield) für das Geschäftsjahr 2026 und 2027 vorgesehen.

Allaster Gair, Kommunikationsdirektor von Bacta, findet deutliche Worte für die aktuelle Situation der Branche:

„Pubs, Clubs und Musikstätten verdienen Unterstützung, aber diese Unterstützung sollte nicht durch die Auferlegung weiterer Kosten für einen anderen rechtmäßigen, lizenzierten und schwer besteuerten Sektor finanziert werden.“ - Allaster Gair, Director of Communications bei Bacta

Gair betont dabei insbesondere die Rolle der unabhängigen und familiengeführten Betriebe, die bei einer Erhöhung der Fixkosten oft keine andere Wahl haben, als Standorte komplett zu schließen. Die Behauptung, Spielhallen seien besonders schädlich, lässt sich laut Bacta auch kaum mit den Regierungsplänen für die neue Abgabe vereinbaren. Während Online-Anbieter mit 1 Prozent des Ertrags zur Kasse gebeten werden sollen, liegt der Satz für AGCs bei lediglich 0,2 Prozent, was laut Verband ein Beleg für das geringere Risiko dieser kontrollierten Umgebungen ist.

Hintergrund

Die Adult Gaming Centres in Großbritannien sind keineswegs unregulierte Zockerbuden. Es handelt sich um alkoholfreie Umgebungen für Erwachsene, die durch Personal überwacht werden. Sie unterliegen strengen Lizenzen der Gambling Commission sowie lokaler Behörden. Zu den Standardprozeduren gehören Altersprüfungen, Möglichkeiten zum Selbstausschluss und weitreichende Anforderungen an das sichere Glücksspiel. Der Verband Bacta argumentiert, dass Fehlverhalten einzelner Betreiber nicht dazu führen dürfe, dass eine ganze Branche mit einer Kollektivstrafe in Form von Sondersteuern belegt wird. Der Kern des aktuellen Konflikts liegt in der Frage, ob Steuern als Lenkungsinstrument gegen unliebsame Branchen eingesetzt werden dürfen, ohne dass konkrete Beweise für eine erhöhte Schädlichkeit im Vergleich zu anderen Sektoren vorliegen.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Deutsche Spieler beobachten solche Entwicklungen oft mit Sorge, da Steuererhöhungen im Ausland häufig als Blaupause für hiesige Regulierungen dienen. Im Rahmen des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021) wurden in Deutschland bereits extrem strenge Regeln zementiert. Deutsche Automatenspieler müssen mit dem Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin und der verpflichtenden Anbindung an das Überwachungssystem LUGAS leben. Ein monatliches anbieterübergreifendes Einzahlungslimit von 1.000 Euro schützt zudem vor übermäßigen Verlusten.

Wenn in Großbritannien nun die Steuern für Spielhallen steigen, könnte der Druck auf die deutschen Behörden wachsen, ähnliche Modelle zur Haushaltskonsolidierung zu prüfen. Dies hätte zur Folge, dass die Auszahlungsquoten weiter sinken könnten. Ein Spieler in Deutschland, der Wert auf Rechtssicherheit legt, sollte daher nur in Casinos spielen, die auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Diese Anbieter garantieren die Einhaltung aller Spielerschutzstandards, auch wenn die fiskalischen Rahmenbedingungen in Europa insgesamt rauer werden. Wer bei einem lizenzierten GGL-Anbieter spielt, hat die Gewissheit, dass sein Geld sicher ist, selbst wenn die Politik wie in England versucht, die Daumenschrauben anzuziehen.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Betreiber mit einer GGL-Lizenz ist die britische Debatte ein Warnsignal. Sie zeigt, dass die Einstufung als „sozial schädlich“ jederzeit genutzt werden kann, um Sonderopfer zu rechtfertigen. GGL-lizensierte Casinos müssen daher proaktiv beweisen, dass ihre Spielerschutzmaßnahmen greifen. In Deutschland ist der regulatorische Rahmen durch LUGAS und OASIS bereits so dicht, dass eine willkürliche Zusatzsteuer kaum mit mangelnder Kontrolle begründet werden könnte. Dennoch bleibt das Risiko, dass die Politik das Glücksspiel als bequeme Einnahmequelle entdeckt, um populäre Maßnahmen in anderen Bereichen zu finanzieren. Für deutsche Anbieter bedeutet dies, dass sie weiterhin massiv in die Datenanalyse und Prävention investieren müssen, um ihre gesellschaftliche Akzeptanz zu sichern und ähnliche steuerliche Strafaktionen wie in Großbritannien zu verhindern.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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